Von Anfang an dabei

Zwei Gründungsmitglieder im Interview

Kerstin und Tobias sind seit dem Gründungsjahr des Chores mit dabei. Lest hier, was sie über die letzten 25 Jahre zu erzählen haben.

Wir haben mit Kerstin und Tobias ein Interview über ihre bisherige Zeit bei clazz geführt. In einer ruhigen Ecke im Gemeindesaal der Apostelkirche haben die beiden uns ein bisschen von ihren Anfängen im Chor erzählt.

clazz: Hallo Kerstin und Tobias. Ihr beide seid vom Gründungsjahr des Chores an mit dabei. Schön, dass ihr mit uns ein paar Geschichten zum 25. Jubiläum von clazz teilen wollt! Kerstin, du bist das Mitglied mit dem frühesten Eintrittsdatum. Bist du seit der 1. offiziellen Probe dabei?
Kerstin: Ja, seit der ersten Schnupperprobe. Im Schulchor war der Handzettel mit der Einladung verteilt worden, und da ich 1994 Abi gemacht habe, brauchte ich Ersatz. Es passte also gut. Am 11. April war die erste Schnupperprobe im Freizeitheim Döhren. In dem angegebenen Raum wuselten viele junge Leute durcheinander, es wurde geschwatzt und sich beschnuppert. Irgendwann kam von irgendwoher eine Stimme, die zum Ordnen und Einsingen aufforderte. Ich konnte nicht erkennen, wer das war, bis aus der Mitte heraus die Leute zurückwichen und jemand übrigblieb, der noch kürzer war als ich. Das war Uta (Mehlig, Stimmbildnerin und langjährige 1. Vorsitzende, Anm. d. Red.), die, wie noch immer, vehement Aufmerksamkeit einforderte. Gesungen haben wir da wohl „Eveille toi Renaud“ und „Canada in Springtime“. Auf diese erste folgte monatlich eine weitere Schnupperprobe (schon in der Erlöserkirche), ab dem 5. September wurde dann wöchentlich richtig geprobt. Das erste Prowo in Hitzacker fand dann im November statt. Und schon immer wurde montagsabends geprobt.

clazz: Tobi, wie bist du zum Chor gestoßen?
Tobias: Ich war auch ab der 1. Probe dabei, bin aber nur später offiziell eingetreten. Martin und Andreas (Martin Lüssenhop und Andreas Mattersteig, die ersten Chorleiter, Anm. d. Red.) haben Handzettel verteilt. Für die U30-Fraktion: Internet und E-Mails kamen 1994 gerade erst auf, an Social Media und Smartphones war nicht mal zu denken! Eine Freundin hatte an ihrer Schule einen Handzettel bekommen und mich überredet, mit ihr zu kommen. Eigentlich wollte ich gar nicht hin, kam aber mit. Letztlich fand es die Freundin doof und ich bin geblieben. Zum Glück!

clazz: Wo war denn der erste Probenort und wieviele Mitglieder hatte der Chor zu Beginn?
Tobias: Die erste Schnupperprobe war im Freizeitheim Döhren, aber ansonsten war von Anfang an die Erlöserkirche (Hannover-Linden) unsere Heimat.
Kerstin: Bei der ersten Schnupperprobe waren wohl etwas über 30 Leute dabei. Die erste Mitgliederliste, die ich habe, ist aus dem Februar 1995 und umfasst 63 Mitglieder (ohne die drei Leiter).
Tobias: Der Chor ist gleich sehr schnell gewachsen und hatte in der ersten Zeit einen festen Stamm von etwa 50 Sängern. Mit den verschiedenen Umbrüchen in der Chorleitung gab es zwischenzeitlich aber auch Phasen mit nur 20 Sängern. Da wird ein 8-stimmiger Satz zur Herausforderung, erst recht bei einem Konzert im Winter, also in der Erkältungszeit! Ich denke da an ein Konzert im Kloster Marienwerder mit vielleicht 16 Leuten. Erst mit Thomas (Posth, Anm. d. Red.) hat sich das allmählich stabilisiert, und der Chor ist wieder kontinuierlich gewachsen. Zu Anfang war die Altersstruktur komplett anders als heute: Alles Schüler, Zivis, Auszubildende, Studenten. Eigentlich niemand über 25. Unser damaliger Name “Jugendchor” passte schon ganz gut! Bei den Probenwochenenden mussten viele die Anmeldung noch von den Eltern unterschreiben lassen... Und es war ein Problem, genug Autos für die Anreise zu bekommen.

clazz: Gibt es ein besonderes Projekt, an dass ihr euch gerne erinnert; ein besonderes Erlebnis oder Konzert?
Kerstin: Unser erstes richtiges Konzert. Wir hatten inzwischen noch ein zweites Prowo in Goslar, zu dem übrigens Nils und Oli als Stimmbildner mitgekommen sind (Nils Ole Peters, Oliver Gies, Anm. d. Red.) und auch viel in der Freizeit zusammen unternommen. Tolle Stimmung also. Wir hatten zu „Canada in Springtime“ (vorletztes Stück) eine neue (dritte) Strophe gedichtet und im zweiten Konzert einfach gegen das Dirigat von Andreas gesungen. Das war vielleicht aufregend! So sehr, dass wir mehr als einen Halbton gestiegen sind... Ein tolles Erlebnis war auch die Fahrt zur internationalen Jugendkammerchor-Begegnung auf Usedom im August 1996: Sommer, Sonne, Meer und junge Leute aus vielen Ländern. Wir genossen bei lauen 20°C T-Shirt-Urlaubswetter, während die Jugendlichen aus Israel mit Schal und Mütze am Strand anzutreffen waren. Eine Woche lang Workshops, tolle Chormusik und spannende Begegnungen mit Menschen aus anderen Ländern.
Tobias: Tja. Wo soll man da anfangen?! Es gibt ja tausend schöne Erinnerungen an Proben, Probenwochenenden inkl. der Bunten Abende, Konzerte, Reisen, Wettbewerbe, Hochzeiten, private Feiern und Aktionen... und an all die vielen Menschen, die mal für kurze Zeit oder länger dabei waren! Grandios waren natürlich fette Konzerte mit Pomp und Orchester: Das Morzart-Requiem, der Elias, Carmina Burana. Der erste Sieg beim Chorwettbewerb 2005 in Wolfenbüttel war ein wundervoller Moment. Und ganz besonders auch die intensiven Tage in Bardou, mit Wasserfall, Pfauen und dem Konzert in Magalas. Als unplanmäßiger Höhepunkt unvergessen bleibt, wie Thomas (Posth) bei dem Versuch, in der Erlöserkirche das Licht einzuschalten, aus Versehen die Glocken geläutet hat.
Kerstin: ...und eins noch, viel später. Es war in dem ersten Jahr, in dem uns Thomas Posth geleitet hat. Mit ihm fuhren wir auf unsere erste Konzertreise, mit drei Kleinbussen, die Erwin, Paul und Knut hießen – und am liebsten alle zusammen drei-, vier-, fünfmal rund in Kreiseln. Aber besonders schön war eine Wanderung, auf der wir auch durch eine enge Schlucht kamen. Wir passten nur hintereinander hinein, es war dämmrig und feucht und wir sangen dort eine Ballade, die mit dem Hall der Schlucht einfach sehr schön klang.

clazz: Eurer Lieblingslied aus all den Jahren? Falls ihr euch nicht auf eines festlegen wollt, nehme ich auch die Top 3...
Tobi: Auch die Top 10?! Etwa chronologisch aus verschiedenen Jahren und Projekten: Canada in Springtime, unvermeidlich. Campanas de Belen. Arielle-Medley. I Can See Clearly Now mit Nils Ole Peters' Solo. Good Vibrations. Take on me, unser Wettbewerbs-Abräumer und persönliches Hochzeits-Stück. Meinen Jesum lass ich nicht. Plenty Good Room. Zum Tanze da geht ein Mädel. Boy on the Island. Rock this Party. Don't You Worry Child. Chandelier. Und das Vöglein!
Kerstin: Schwer. Echt. Aus den ersten Anfängen „Campanas de Belén“ („aus Andalusien“). Wir haben es in unserem ersten Weihnachtskonzert 1995 gesungen, um die Zuhörer stehend. Durch die Stimmen verteilt zog sich „din“ und „don“ und es klang stimmungsvoll wie Glockengeläut. Über die Intonation und Sauberkeit des Geläuts möchte ich mit so viel Abstand lieber nicht mehr urteilen...„Yerushalayim shelzahav“, über die goldene Stadt Jerusalem, mitgebracht von den schaltragenden Israelis aus Usedom. So schön durch die Erinnerungen an das internationale Treffen und die Melodie des Stücks, bei der man tatsächlich die goldenen Dächer im Morgendunst zu sehen meint. Und schließlich, aus einer ganz andere Zeit, von unserer CD „frisch gepresst“, vielleicht „Don’t give up“, bei dem ich den gewaltigen Doppelchorsatz so schön finde. Na ja, wir haben aber zuhause auch (nachgemessene) 55-cm-Ordner mit wegsortierten Jugendchor- und clazz-Noten im Regal stehen, ergänzt um die gebundenen Werke. Da ist das Festlegen doch nicht ganz leicht!

clazz: Und gibt es auch weniger schöne Erinnerungen?
Kerstin: Im Grunde jeder Chorleiterwechsel, bedeutet es doch eine aufwändige Suche nach jemand passendem Neuen. Man weiß, was mit dem alten Leiter geht, aber nicht, was kommt. Und wann. An diesem Punkt noch mal ein ganz herzliches Dankeschön an Uta, die den Chor mit der temporären Übernahme der Probenleitung über jede dieser Wechselphasen hinweg zusammengehalten hat!
Tobias: Abschiede. Und ein Schock war natürlich, als 15 Minuten vor einem Auftritt eine Mitsängerin durch eine Glastür gerannt ist. Nicht gegen, sondern mitten durch die Glasscheibe! Da steckten dann lange Glasspitzen im Rahmen, wie Schwerter oder Spieße. Da konnte einem schlecht werden beim Gedanken, was ihr hätte passieren können, oder eigentlich: müssen. Es war wie ein Wunder, dass ihr tatsächlich praktisch nichts passiert ist, nur ein paar Schnitte. Nachdem ein Notarzt vor Ort war und klar, dass alles sehr, sehr glimpflich abgelaufen ist, sind wir dann auf die Bühne und haben das Konzert gesungen. Ich mit klopfendem Herzen.

clazz: Was wünscht ihr dem Chor für die Zukunft?
Kerstin: Nette Leute ohne Starallüren, die zusammen gute Musik machen wollen und dafür fröhlich, aber mit Konzentration in den Proben sitzen und sich reinhängen. Leute, die Eigenarten anderer akzeptieren und sich zusammengehörig fühlen wollen und fühlen. Dazu einen Chorleiter, der mit Spaß und Engagement bei der Sache ist und lange bleibt, so wie es erst Thomas und dann Martin gemacht haben bzw. machen. Noch lange Martin!
Tobi: So wie es ist, so soll es bleiben. So hab ich es mir gewünscht!

clazz: Vielen Dank für das nette Gespräch und weiterhin viel Spaß bei clazz!

Das Interview führte André Heineke.

Dieser Artikel ist Teil einer Reihe von Artikeln über das 25. Jubiläum von clazz. Eine Übersicht über alle bisher erschienenen Artikel ist hier.

  • Gruppenfoto 1995

  • Der Handzettel 1

  • Handzettel 2

  • Kerstin und Tobias heute

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